Zauberpilze Ein Handbuch über Psilocybin-Pilze

Kapitel 01 · Arten

Welche Pilze Psilocybin enthalten

Aktualisiert 4 Min. Lesezeit

Psilocybin kommt in über hundert Pilzarten vor1. Die meisten gehören zur Gattung Psilocybe, den Kahlköpfen. Daneben bilden einzelne Arten der Düngerlinge (Panaeolus), der Samthäubchen (Conocybe) und der Risspilze (Inocybe) denselben Stoff. In Mitteleuropa ist der Spitzkegelige Kahlkopf die häufigste Art1.

Fast alle diese Pilze sind klein, braun und unauffällig. Mykologen fassen solche Arten unter dem Spitznamen little brown mushrooms zusammen, weil sie ohne Mikroskop schwer auseinanderzuhalten sind2. Genau das macht das Thema riskant.

Die wichtigsten Arten im Überblick

ArtWo sie wächstWas über den Gehalt bekannt ist
Spitzkegeliger Kahlkopf (Psilocybe semilanceata)Schaf- und Rinderweiden, magere Wiesen, von August bis Oktoberin der Literatur meist 0,8 bis 1,0 % Psilocybin in der Trockenmasse, einzelne Funde deutlich mehr3
Blauender Kahlkopf (Psilocybe cyanescens)verrottendes Holz und Pflanzenreste, Rindenmulch, Parks und Wegränderwird an Druckstellen stark blau; in Deutschland als eingeschleppte Art beschrieben4
Kubanischer Kahlkopf (Psilocybe cubensis)Dung großer Weidetiere in den Tropen; in Mitteleuropa fast nur aus Zuchtetwa 0,5 bis 0,9 % Psilocybin in der Trockenmasse5
Mexikanischer Kahlkopf (Psilocybe mexicana)Süd-Mexiko und Guatemala, 1300 bis 1800 m Höhebildet unterirdische Knollen (Sklerotien), die als Trüffel verkauft werden6
Risspilze (Inocybe, einzelne Arten)an Laub- und Nadelbäumen, mit denen sie eine Symbiose bildenbilden Psilocybin auf einem eigenen chemischen Weg7; die meisten anderen Risspilze enthalten das Gift Muskarin2

Die Prozentwerte sind Durchschnitte aus Laboranalysen. Ein einzelner Pilz kann deutlich darunter oder darüber liegen. In einer Prager Studie an Zuchtpilzen enthielten die Hüte etwa doppelt so viel Wirkstoff wie die Stiele, und auch zwischen Pilzen derselben Zucht schwankten die Werte stark8. Mehr dazu im Kapitel Psilocybin.

Spitzkegeliger Kahlkopf

Der Spitzkegelige Kahlkopf hat einen kleinen, spitz zulaufenden Hut von 0,5 bis 1,5 cm Breite auf einem sehr dünnen, bis zu 13 cm langen Stiel. Er wächst gesellig im Gras von Weiden, meidet aber Wald und Kalkböden und kommt nicht direkt aus dem Dung3. In Tirol wurde er noch in 1400 bis 1700 m Höhe gefunden.

Ihm ähnlich sehen unter anderem der Kegelige Düngerling und der Halbkugelige Träuschling3. Das allein wäre kein großes Problem. Gefährlich wird es, weil auf denselben Wiesen und an denselben Wegrändern weitere kleine braune Arten wachsen, die sich nur mit Erfahrung, Lupe und Sporenpulver unterscheiden lassen.

Blauender und Kubanischer Kahlkopf

Der Blauende Kahlkopf ist robuster, mit einem 1 bis 7 cm breiten, gewellten Hut. Er lebt von verrottenden Holz- und Pflanzenresten und taucht an Ruderalstellen, an lichten Waldwegen und in Parkanlagen auf. Seine Vorkommen sind unstet, ein Fundort kann im nächsten Jahr leer sein4.

Der Kubanische Kahlkopf stammt ursprünglich aus dem tropischen Afrika und hat sich mit der Rinderhaltung in den Tropen verbreitet5. In Mitteleuropa wächst er nicht wild. Viele Zuchtsorten mit Fantasienamen gehören zu dieser einen Art. Wie stark sich solche Sorten tatsächlich unterscheiden, ist kaum untersucht9.

Was gleich aussieht, ist nicht dasselbe

Wer Pilze nach Fotos aus dem Netz bestimmt, unterschätzt das Problem. Eine Forschungsgruppe hat 2022 94 Herbarbelege von Psilocybe per DNA nachbestimmt. Außer bei wenigen gut bekannten Arten waren die Bestimmungen weitgehend unzuverlässig, teilweise sogar auf Gattungsebene, und manche Belege enthielten gar kein Psilocybin mehr10. Das waren Proben aus wissenschaftlichen Sammlungen.

Ernster ist die Verwechslung mit Giftpilzen. Der Gift-Häubling (Galerina marginata) ist ein kleiner brauner Pilz auf Holz und tödlich giftig11. Die meisten Risspilze enthalten Muskarin, und die Verwechslungsgefahr zwischen psilocybinhaltigen und stark giftigen Risspilzen gilt als sehr hoch2. Die Suchtprävention Zürich weist ausdrücklich darauf hin, dass bei gesammelten Pilzen Verwechslungsgefahr mit tödlichen Arten besteht12.

Achtung Iss keinen wild gesammelten Pilz, den du nicht sicher bestimmen kannst. Bei Verdacht auf eine Pilzvergiftung: Notruf 112 (Deutschland), 144 (Österreich und Schweiz), Tox Info Suisse 145, Vergiftungsinformationszentrale Wien 01 406 43 43.

Warum die Blaufärbung kein sicheres Merkmal ist

Viele Kahlköpfe verfärben sich an Druckstellen blau. Forschende aus Jena haben den Mechanismus 2019 aufgeklärt: Zwei Enzyme spalten bei einer Verletzung Psilocybin zu Psilocin und verknüpfen es zu blauen Ketten13. Die Farbe zeigt also, dass Psilocin da war. Als Bestimmungsmerkmal taugt sie trotzdem nicht, denn auch viele Röhrlinge und andere Pilze ohne Psilocybin laufen blau an.

Sammeln und Besitz

In Deutschland fallen Pilze, die Psilocybin enthalten, mitsamt ihren Teilen unter das Betäubungsmittelgesetz. Schon das Pflücken ist Erwerb und Besitz. Auch in Österreich und der Schweiz gibt es Verbote, die sich im Detail unterscheiden. Die Einzelheiten stehen im Kapitel Rechtslage. Was die Pilze im Körper auslösen, erklären die Kapitel Psilocybin und Wirkung.

Quellen

  1. drugcom.de (BZgA): Drogenlexikon, Psilocybin
  2. Wikipedia: Risspilze (Ökologie, Muskarin, Verwechslung) und Samthäubchen
  3. Wikipedia: Spitzkegeliger Kahlkopf, mit Literaturangaben zu Vorkommen und Wirkstoffgehalt
  4. Wikipedia: Blauender Kahlkopf; Giessler, A.: Psilocybe cyanescens in Germany, Dissertation Universität Göttingen 2016
  5. Wikipedia: Kubanischer Kahlkopf
  6. Wikipedia: Mexikanischer Kahlkopf
  7. Universität Jena: Zauberpilze erfinden Wirkstoff zweimal, Pressemitteilung vom 24. September 2025
  8. Gotvaldová u. a. (2021): Stability of psilocybin and its four analogs in the biomass of Psilocybe cubensis, Drug Testing and Analysis
  9. Kurzbaum u. a. (2025): Exploring Psilocybe cubensis strains, Journal of Fungi
  10. Bradshaw u. a. (2022): DNA authentication and chemical analysis of Psilocybe mushrooms, Applied and Environmental Microbiology
  11. Wikipedia: Gift-Häubling
  12. Suchtprävention Zürich: LSD und Zauberpilze, Problemen vorbeugen
  13. Lenz u. a. (2020): Injury-triggered blueing reactions of Psilocybe "magic" mushrooms, Angewandte Chemie