Psilocybin gilt als Vorstufe. Der Körper spaltet es nach dem Essen schnell zu Psilocin, und Psilocin erzeugt die Wirkung. In Blutproben gesunder Versuchspersonen fand sich nach Einnahme von Psilocybin nur Psilocin, kein unverändertes Psilocybin1. Beide Stoffe sind Tryptamine und dem Botenstoff Serotonin chemisch sehr ähnlich2.
Wie der Stoff entdeckt wurde
Der Schweizer Chemiker Albert Hofmann isolierte Ende der 1950er-Jahre bei Sandoz in Basel Psilocybin und Psilocin aus dem Mexikanischen Kahlkopf. Wenige Jahre zuvor, 1955, hatten Gordon und Valentina Wasson in Mexiko an einer Pilzzeremonie teilnehmen dürfen. In den 1960er-Jahren vertrieb Sandoz synthetisches Psilocybin unter dem Namen Indocybin für die Forschung3.
Pilze stellen den Stoff auf ihre eigene Weise her. Eine deutsch-österreichische Forschungsgruppe unter Leitung der Universität Jena zeigte 2025, dass Risspilze und Kahlköpfe Psilocybin über zwei verschiedene biochemische Wege bilden. Die Fähigkeit ist in der Evolution also mindestens zweimal unabhängig entstanden4.
Was im Körper passiert
Psilocin bindet an Serotonin-Rezeptoren im Gehirn, vor allem an den Typ 5-HT2A. Diese Bindung gilt als Ursache der veränderten Wahrnehmung2. Wie aus einer chemischen Bindung das konkrete Erleben wird, ist bis heute nur teilweise verstanden.
In einer Studie der Universität Wisconsin erhielten zwölf gesunde Erwachsene steigende Dosen Psilocybin. Die Halbwertszeit von Psilocin im Blut lag bei etwa drei Stunden. Weniger als 2 % wurden unverändert über die Nieren ausgeschieden, der Rest wird vorher umgebaut. Das Körpergewicht sagte kaum voraus, wie schnell jemand den Stoff abbaute1. Das passt zu der Erfahrung, dass dieselbe Menge bei zwei Menschen ganz unterschiedlich wirken kann.
Wie viel Wirkstoff in einem Pilz steckt
| Material | Gemessener Gehalt | Quelle |
|---|---|---|
| Spitzkegeliger Kahlkopf, getrocknet | meist 0,8 bis 1,0 % Psilocybin, Einzelwerte bis 2 % | 5 |
| Kubanischer Kahlkopf, getrocknet | etwa 0,5 bis 0,9 % Psilocybin | 6 |
| Kubanischer Kahlkopf, Hut | rund 1,0 % Tryptamine | 7 |
| Kubanischer Kahlkopf, Stiel | rund 0,5 % Tryptamine | 7 |
| Myzel | 0,47 % Psilocin, kein Psilocybin | 7 |
| Sporen | keine Tryptamine nachweisbar | 7 |
| Trüffel (Sklerotien), frisch | 0,6 bis 1,7 mg Psilocybin pro Gramm | 8 |
Ein Gramm getrockneter Pilze enthält bei 1 % Gehalt also rund 10 mg Psilocybin. Frische Pilze bestehen größtenteils aus Wasser, darum braucht man von ihnen etwa die zehnfache Menge. Das bayerische Präventionsprojekt Mindzone setzt 0,5 bis 2 g getrocknete Pilze mit etwa 5 bis 20 mg Psilocybin gleich9. Laut drugcom wirken 12 bis 20 mg reines Psilocybin wie ein typisches Halluzinogen3.
Warum der Gehalt so stark schwankt
Selbst in einer kontrollierten Zucht unterscheiden sich einzelne Fruchtkörper deutlich. Die Prager Forschungsgruppe fand im Hut etwa doppelt so viel Wirkstoff wie im Stiel, und die Werte einzelner Pilze lagen so weit auseinander, dass selbst dieser Unterschied statistisch nicht gesichert war7. Bei wild gewachsenen Pilzen kommen Standort, Witterung und Alter hinzu.
Dazu kommt der Zerfall. Eine Untersuchung von Herbarbelegen fand, dass Psilocybin und Psilocin mit der Zeit abgebaut werden, je nach Art unterschiedlich schnell. Manche alten Belege enthielten gar nichts mehr10. In der Prager Studie hielten sich die Wirkstoffe am besten in getrockneten Pilzen, die dunkel bei Raumtemperatur lagerten. Am stärksten zerfielen sie ausgerechnet in frischen Pilzen, die bei minus 80 Grad eingefroren wurden7.
Für die Praxis heißt das: Es gibt keine verlässliche Umrechnung von Gramm auf Wirkung. Zwei Portionen gleichen Gewichts können sich um ein Mehrfaches unterscheiden. Was daraus für die Dosis folgt, steht im Kapitel Dosis und Risiken.
Wie giftig ist Psilocybin
Körperlich ist Psilocybin wenig giftig. drugcom nennt eine aus Tierversuchen hochgerechnete tödliche Menge von etwa 17 Kilogramm frischer Pilze für einen erwachsenen Menschen11. Eine Auswertung des Global Drug Survey ergab, dass 0,2 % von 9233 Menschen, die im Vorjahr Pilze genommen hatten, deswegen notfallmedizinische Hilfe suchten. Die häufigsten Gründe waren Angst, Panik und Misstrauen, fast alle Betroffenen waren nach 24 Stunden wieder bei sich12.
Die geringe Giftigkeit ist allerdings nur ein Teil des Bildes. Die realen Risiken liegen woanders: im Verhalten während der Wirkung, in Mischungen mit anderen Stoffen, in der Verwechslung mit Giftpilzen und bei Menschen mit einer Veranlagung zu Psychosen. Um diese Punkte geht es ausführlich im Kapitel Dosis und Risiken.
Quellen
- Brown u. a. (2017): Pharmacokinetics of escalating doses of oral psilocybin in healthy adults, Clinical Pharmacokinetics
- Passie u. a. (2002): The pharmacology of psilocybin, Addiction Biology
- drugcom.de (BZgA): Drogenlexikon, Psilocybin
- Universität Jena: Zauberpilze erfinden Wirkstoff zweimal, 24. September 2025
- Wikipedia: Spitzkegeliger Kahlkopf, Abschnitt Inhaltsstoffe mit Literatur
- Wikipedia: Kubanischer Kahlkopf, Abschnitt Inhaltsstoffe
- Gotvaldová u. a. (2021): Stability of psilocybin and its four analogs in the biomass of Psilocybe cubensis, Drug Testing and Analysis
- Pellegrini u. a. (2013): Magic truffles or philosopher's stones: a legal way to sell psilocybin?, Drug Testing and Analysis
- Mindzone (Landescaritasverband Bayern): Pilze
- Bradshaw u. a. (2022): DNA authentication and chemical analysis of Psilocybe mushrooms, Applied and Environmental Microbiology
- drugcom.de: Was bei einem Trip auf Pilzen passieren kann
- Kopra u. a. (2022): Adverse experiences resulting in emergency medical treatment seeking following the use of magic mushrooms, Journal of Psychopharmacology